
Ein Garten - das Bild des Wachsens, Gedeihens, Pflegens, der Sinnesfreude, der Tatkräftigkeit, der ursprünglichen, gottverbundenen Liebe zur Natur - all das ist auch die Grundlage eines Gartens, in dem Kinder gedeihen, sich entwickeln, sich entfalten, Wurzeln bekommen, den Stern, die Sonne, das liebe Licht der Zuwendung erleben und sich so ihren Erdenraum erobern können.
Was sind die Bedingungen ?
Allen Kindern gemeinsam ist,
dass sie angenommen und geliebt sein wollen, so wie sie sind. Darüber
hinaus sind hilfreich
* liebevolle, freudige Zuwendung der Erzieher durch Geste, Sprache und Bewegung
in Reigen und
Fingerspielen,
* eine schöne, dem Jahreskreislauf abgelauschte Umgebung - durch Farbe
und Form wirkend -
* sinnvolles Spielzeug, d.h. der Phantasie freien Raum lassende Gestaltungen
* sinnvolle Tätigkeiten des alltäglichen Lebens, zur Nachahmung
anregend
* ein gegliederter Tagesablauf.
Daran können sich Kinder orientieren. Erziehungsprozesse vollziehen sich sozusagen “von selbst”, denn natürlich können wir “nur” im weitesten Sinne die Umgebung abgeben, die Impulse setzen, an denen sich das Kind selbst erzieht. Da, wo liebevolle Gesten in Bewegung, Sprache und äußerer Gestaltung erlebbar sind, werden sich Bewegung, Sprache, nachahmendes Spiel und Sozialverhalten anders entfalten können, als in einem hektischen oder auch technikbestimmten Umkreis.
Aber es gibt natürlich Kinder, die trotz dieser eben beschriebenen Bedingungen nicht zu den Entwicklungsimpulsen kommen, die ihnen angemessen sind. Diese Kinder brauchen eine stetige Begleitung, durch die sie, sozusagen “an die Hand genommen”, die nötige Aufmerksamkeit entfalten können, um die, für sie richtigen, Sinneseindrücke erleben zu können. Manche Kinder können gar nicht alles verarbeiten, was der normale Kindergarten so bietet. Sie brauchen eine deutliche Herausfilterung der Eindrücke. Andere Kinder brauchen eine Zeitlang einen ruhigen Raum, oder vermehrt den Gang in den Garten zu Hasen und Hühnern.
Die allgemeine integrative Situation kommt dort an ihre Grenzen, wo Kinder aggressiv werden. Dann kommt es sehr darauf an, dass immer eine begleitende Hand des Erziehers da ist, die rechtzeitig eingreift oder, wenn wirklich einmal ein Kind an den Haaren gezogen, gekniffen oder geschlagen wurde, dieses Kind getröstet wird und versprochen bekommt, dass man in Zukunft besser aufpassen wird, um dem in Frage kommenden Kind zu helfen, auf seine Hände oder Füße besser achten zu können. Dies können Kinder gut akzeptieren, denn sie kennen ja von sich auch die Situation, in denen ihre Handlungsweise sich sozusagen “verselbständigen” und sie auf Verständnis der Umgebung hoffen dürfen.
Wenn ein Kind sehr laut ist oder viel schreit, braucht man unbedingt einen kleinen Extra-Raum, wohin sich das Kind entweder alleine oder mit einem Erzieher zurückziehen kann, denn ein ständig, zu hoher Lärmpegel ist für alle anderen schwer ertragbar.
Wie sieht ein Tagesablauf bei uns aus ?
1. Begrüßung
2. Reigen
3. Frühstück
4. Freispiel
5. Abschluss
Zuerst werden die Kinder begrüßt. Jedes mit Handschlag und Namen. Eine erste Begegnung und gegenseitige Wahrnehmung findet statt. Viele Kinder kennen ihren Garderobenplatz (gekennzeichnet durch ein besonderes Bildchen) und können ihren Mantel dort selbständig aufhängen, die Straßenschuhe hinstellen, die Hausschuhe anziehen und sich ein Plätzchen suchen auf der Bank vor dem Sälchen. Da stehen Körbe mit jahreszeitlich abgestimmten Bilderbüchern, da hängen bewegliche Bilder an der Wand, da gibt es bewegliches Spielzeug, oder in der Adventszeit bzw. der 3-Königszeit die Krippe in ihren Veränderungen wahrzunehmen und vieles mehr. Ein gesundes Kind kann das von sich aus, und es kann auch warten, wenn ein anderes Kind gerade Spielzeug oder das Bilderbuch hat, das es auch gerne hätte. Viele Kinder, die in ihrer Entwicklung in irgendeiner Form beeinträchtigt sind, können sich zu diesen und auch zu den vorher beschriebenen Prozessen nicht ins Verhältnis setzen. Sie können sich nicht im Raum orientieren, finden nicht von alleine ihren Garderobenplatz, usw. Aber, wie in allen Lernschritten, gibt es viele Bereiche der Wahrnehmung und viele Möglichkeiten, sich gegenseitig zu helfen. Die gesund entwickelten Kinder orientieren sich durch Nachahmung an der Haltung der Erzieher, und übernehmen so viele hilfreiche Gesten im Alltag. Wie viel liebevolle Handlungen lernen sie selbst dabei !
Im Reigen bewegen sich die Kinder aus Nachahmung - traumwandlerisch - dem vorgegebenen Bewegungsbild der Erzieher entsprechend. Wer das nicht kann, bekommt Hilfe, entweder an der Hand oder auf dem Schoß sitzend oder durch die direkt aufgesuchte Nähe des sich bewegenden Erziehers, so dass keine Raum-Distanz überwunden werden muss. Wie im Reigen, geschieht die Hilfestellung in allen anderen Bereichen ebenso. Je nach Selbständigkeit und Eingliederungsvermögen, kann ein Kind so viel Hilfe empfangen, wie es braucht. Dazu benötigt man natürlich entsprechend den Gegebenheiten genügend Erzieher oder Helfer, Praktikanten usw.
Wenn ein Erzieher sich um ein Kind im Freispiel bemüht, ergibt sich oft die Möglichkeit für mehrere Kinder, sich diesem Spielgeschehen anzugliedern, und so entstehen natürliche und gleichzeitig auch geführte integrative Spielprozesse, an denen z. B. Sozialverhalten geübt werden kann. Auch die vielfältigen Prozesse bei Tisch, sei es nun bei den Vorbereitungen zum Essen wie Kochen oder Backen, oder sei es beim Essen selber, bieten unendlich viele Möglichkeiten zu Lernschritten im Wahrnehmen, Teilnehmen, sich Eingliedern. Wenn jedes Kind, das eine “Brotpost” ist, bei dem Kind, dem es das “Brot-Päckchen” bringt “Bitte” sagt und das empfangende Kind “Danke” antwortet, wenn bei jedem neu zu erbittenden Brot der Satz geübt werden kann: “Darf ich bitte ein Brot haben ?”, so kann auch das Kind, das kein Wortvermögen hat, vielleicht lernen, in die Sprachmelodie einzutauchen, und manchmal erlebt man dann die große Freude, dass aus der Sprachmelodie einzelne Worte wie Inseln sich herauskristallisieren, die dann auch zunehmend in ihrer Bedeutung erfasst werden können.
Nach dem Frühstück ist jedes Kind ein Teil der Helferschar. Wir alle waschen ab, fegen, trocknen das Geschirr, wischen den Tisch, räumen die Becher in den Schrank oder füttern die Tiere, machen die Ställe sauber. Viele Erfahrungen, sinnvoll im Ablauf und eingegliedert in Raum und Zeit, können dabei gemacht werden. Sehr viele Zuordnungen werden in solchen wirklichen, lebenspraktischen Tätigkeiten erlernt, jenseits von eintönigen und nicht mit dem Leben zusammenhängen Zuordnungs-Spielen.
Den Abschluss des Morgens bilden entweder
* eine erzählte Geschichte (Sprache)
* ein Bilderbuch (Sprache und Bild)
* ein Tisch-Theater (Sprache und Raum-Wahrnehmung, Geste)
* oder ein Rollenspiel (Sprache, Geste, Raum-Wahrnehmung, Bewegung und starke
Gestaltwahrnehmung)
Alles geschieht über eine längere Zeit und die Inhalte werden
auf den verschiedenen Ebenen so aufgegriffen, dass sie, wie im Mittelpunkt
stehend, von allen Seiten beleuchtet werden und die Kinder sich sozusagen
jeweils in einer Zeit-Gestalt “baden” können, sei es nun
durch die äußere Gestaltung, die Bilder, die Bewegungen in Reigen
oder Fingerspiel, oder durch die Abschluss-Inhalte. Alles gehört so
zusammen, dass das Kind die Idee überall wiederfinden und sich damit
ganz und gar verbinden kann. Zu all dem Beschriebenen kommt hinzu,
* dass wir einmal in der Woche reiten können - seit neuestem unter dem
Reitdach - relativ wetterunabhängig,
* dass wir jeden Montagmorgen mit der Schulgemeinschaft eine kleine Eurythmie-Darbietung
genießen dürfen,
* und dass wir auch im Kindergarten einmal Eurythmie zum Bewegen haben
* und einmal Eurythmie zum Zuschauen, für diejenigen Kinder, die es,
aus welchen Gründen auch immer, nicht vermögen, sich selber zu
bewegen.
Ansonsten gibt es zu allen Zeiten vieles zu gestalten; sei es mit Farbe (flüssig oder Wachskreide), mit Knetwachs oder mit vielfältigen anderen Materialien. Wir haben immer mehr zu tun, als wir eigentlich schaffen können - und das ist doch etwas Gutes.